• fraubaldo

Geburtsbericht... Nun doch!

Aktualisiert: 9. Nov 2021

Eigentlich wollte ich diesen Geburtsbericht nicht schreiben. Eigentlich sollte diese Reise eine Erinnerung nur für uns bleiben.

Öffentlich teilen, wollte ich sie schon gar nicht. Nicht weil die Erinnerung an unsere Geburt keine schöne war, sondern einfach, weil ich wollte das sie uns gehört. Nur uns.


Warum ich mich nun doch dazu entschlossen habe...

Sharing ist caring heißt es so schön. Und so heißt es nicht umsonst. Denn ich erzähle unsere Geburtsgeschichte um Mut zu machen, positive Geburtsaffirmationen zu versprühen und einen Kontrast zu den Horrorstories zu bieten, die einem sonst sofort jeder (oft ungefragt) aufs Brot schmiert.

Neben dem o.g. möchte ich noch erwähnen und zeigen wie wichtig und wunderbar eine gute Hebammenbetreuung sein kann, grade weil ich es auch erst in dieser Schwangerschaft gelernt habe.

Unser Geburtsbericht startet gut 4 Wochen vor der eigentlichen Geburt...

Es ist heiß. Ich fühle mich gut. Alles kribbelt und ich bin aufgeregt. Ich hab mal wieder richtig gut geschlafen und irgendwie ist alles in ein rosarote Licht getaucht.

Die so genannten Übungswehen hatte ich bereits regelmäßig über einige Wochen, mit denen war ich also eigentlich vertraut. Nach dem ersten Spaziergang mit unserem Hund fühlte sich aber nun alles anders an, irgendwie intensiver.

Je intensiver die Wehen wurden umso unsicherer wurde ich... ich fragte mich: "ist es das jetzt?"

"geht es jetzt tatsächlich los?!"


Wir haben vorsichtshalber meine Mutter angerufen, denn durch die Anfahrtszeit von ca. einer Stunde wollte man kein Risiko eingehen und nicht zu lange zögern.

Nach gut einer Stunde wurde unser großes Kind also untergebracht und ich konnte mich besser auf mich konzentrieren. Auf UNS.

Die Wehen plänkelten vor sich hin und ich wurde müde. Es wurde immer später und ich entschloss mich den "Wehentest" in der Badewanne zu machen.


Die Wehen wurden intensiver. Blieben regelmäßig. "Es geht jetzt echt los oder?!"

Ich rief im Geburthaus an. Wir haben uns für ein Treffen verabredet. Meine Aufregung stieg.


Angekommen im Geburthaus wurde alles ruhiger. Die Wehen blieben regelmäßig, teilweise aber weniger intensiv. 5-7 min. Wieder Badewanne. 2 Stunden Geplänkel bis zur ersten Untersuchung. Muttermund gute 2-3 Cm. Das heißt, es hatte sich gar nichts getan. Diesen Befund hatte ich bereits einige Wochen zuvor bekommen.

Wir vereinbarten vorerst wieder nachhause zu gehen und nochmal etwas zu schlafen und uns zügig zu melden, sollten die Wehen stärker werden. Wurden sie nicht. Ich schlief, schlecht, aber ich schlief.


Vier Wochen später....

40+5. Schwanger in der 41. Woche. Never ever hätte ich das gedacht. NIEMAND hätte das gedacht.

Nach vier Wochen Wehen und gemeinsten Hüft- und Rückenschmerzen, war es wieder so weit: r e g e l m ä ß i g e Wehen!!!! DIESMAL WIRKLICH!!! Oder doch nicht?


Der Tag war super schön und unendlich anstrengend. Wir waren auf einem Bauerhof um die Ecke und tranken Cappuccino und Kakao in der Sonne. Jeder Blick auf meine Person erweckte einen "Oh Gott bitte nicht jetzt. Bitte nicht hier!!"-Gesichtsausdruck. Irgendwie lustig und irgendwie auch nervig.

Ich quatschte mit der Bäuerin und während ich so da stand und kaum noch konnte, war es wieder da... dieses Gefühl. Dieses Gefühl und natürlich die Kontraktionen, welche immer mehr Fahrt aufnahmen. Diesmal schon wesentlich stärker als noch vor vier Wochen.

So war ich mir sicher: DAS SIND ECHTE WEHEN!! Muss ja, dachte ich, viel schlimmer kann es ja wirklich nicht mehr werden, das würde ja keiner aushalten...( :D :D :D!!!!)


Wir gingen nach Hause, ich nahm ein Bad. Die Wehen wurden stärker und regelmäßiger:

WIR MÜSSEN LOS!!!

Also wieder: das große Kind untergebracht, Hund versorgt, Taschen geschnappt: L O S!


Es ist bereits 22 Uhr - angenehm kühl, windig. Irgendwie war es eine schöne Stimmung und ich hatte viel Vertrauen, konnte bei jeder Wehe bei mir bleiben, sie veratmen und irgendwie auch Kraft aus jeder einzelnen Schöpfen. Mit der Zeit veränderte sich die Art der Wehen. Ich spürte sie eher im Rücken und nach jeder recht intensiven Wehe, folgte eine schwächere - "Mutter-Kind-Wehen" hab ich mir sagen lassen. Leider sind diese wohl nicht geburtswirksam. So plänkelten sie weiterhin vor sich hin. Ich bekam Wärmeflasche, Massage und Tee und nach der Untersuchung die absolute Ernüchterung. Es hatte sich nichts getan. Gleicher Befund, trotz stetiger Wehen und mittlerweile auch Erschöpfung meinerseits.

Ich war total verunsichert, enttäuscht und verwirrt. Wie sollte ich auf meinen Körper hören können und wissen wann es tatsächlich losgehen würde, wenn er mir doch ständig falsche Signale sendete??!


In diesem Moment war ich so unendlich dankbar, eine großartige Hebamme an meiner Seite gehabt zu haben. Sie stand mir mit genau den richtigen Worten, einer stärkenden Umarmung und ganz viel Verständis zur Seite. Sie fing mich in gewisser Weise auf, ermutigte mich und gab mir neben einigen Tipps noch viel Vertrauen an die Geburt und mich selbst mit nachhause.


Zuhause wollte ich nur ins Bett. Mein Mann sorgte für Wärmflasche, Kreuzbeinmassage und Ruhe, so kam ich dann ganz gut durch die Nacht.


Am nächsten Tag...

Am Morgen war ich doch ziemlich ernüchtert...telefonierte mit Mutter, Freundin, Schwester und konnte an nichts anderes denken.

Bei jedem Gang zur Toilette spürte ich diesen irren Druck. Ich wollte kaum laufen, stehen und eigentlich auch nicht sitzen. Liegen war auch nur geht so und so schlich sich eine negative Grundstimmung ein. Die Wehen der letzten Nacht waren in abgeschwächter Form immer noch da. Unmöglich. Ich wollte raus und überlege mir wie wir den Tag rumbekämen.


Wir hatten überlegt erneut zum Bauernhof zu gehen, dort war Hoffest wie ich am Tag zuvor erfahren hatte. Um ca. 14 Uhr merkte ich, dass es vielleicht doch etwas viel für mich sein könnte... irgendwie war mir nicht gut und ich fühlte mich weniger belastbar. So planten wir um, versprachen unserem Kind ein Eis und machten uns gemütlich fertig. Ich telefonierte wieder und berichtete einer Freundin, dass die Wehen einfach nicht aufhören würden, es aber sicher eh wieder nur ein Fehlalarm sei und blieb übellaunig im Bett.


16 Uhr - Das Kind wollte sein Eis. "Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen."

Ich merkte, dass ich passen musste und habe meinen Mann gebeten, alleine mit unserem Kind rauszugehen!! "Aber bitte nicht so weit weg, ok?". Er schnappte sich also unseren Sohn, mit ungutem Gefühl und so war ich das erste Mal an diesem Tag komplett für mich. Kein Telefonat, kein Kind, kein Mann. Nur unser Hund der nicht von meiner Seite wich und Ich!


Die Wehen wurden stärker. Und stärker. Irre stark. Ich pflegte Haut, Haare und Gesicht und schaute irgendwas auf Netflix ( nicht irgendwas - es war Gossip Girl :D).

Ich rannte alle paar Minuten zur Toilette und musste jede Wehe ganz klar veratmen.

Nach ca. 45 min rief ich meine Hebamme an. Sagte es ginge los, ich sei ganz sicher. Diesmal wirklich. Wir verabreteten uns für 18 Uhr und von da an, nahm die Intensität jeder Wehe stark zu. Und dieser Druuuuuuck.

Nachdem die Hebamme informiert war, wählte ich die Nummer meines Mannes und sagte ihm kurz und knapp "er müsse kommen es ginge los", legte auf und war von da an in meiner Geburtswelt.

Als hätte ich einen Schalter umgelegt. Ich spürte jede Wehe kommen - ihren Höhepunkt finden - und wieder gehen, versuchte mich bewusst zu entspannen und atmete und arbeitete mit meinem Körper und meinem Baby.

Mein Mann versorgte währenddessen Hund und Kind und sammelte mich wieder ein um zum Geburtshaus zu fahren.

Ankunft im Geburtshaus um 17:54 Uhr - mit Kniefall. Die Wehen ließen mir nicht mehr die Wahl ob sitzen, stehen oder gehen, es ging nur der Kniefall.

Unsere tolle Hebamme nahm uns in Empfang, begleitete uns und war in JEDEM Moment in dem ich sie brauchte so unsichtbar wie möglich und trotzdem immer da. (Wie geht das??)


Ich wollte eigentlich dauerhaft nur auf die Toilette und irgendwie auch mal ankommen und zur Ruhe kommen. Unsere Hebamme verhalf mir innerhalb kürzester Zeit zu beidem und untersuchte mich dirkekt im Anschluss. Muttermund bei 8-9 cm. OHHH MEIN GOTT!

Absolute Erleichterung und Freude machte sich breit. Bei uns allen. Unsere Hebamme und wir überlegten gemeinsam wie die noch intensiver werdenden Wehen etwas besser auszuhalten seien könnten und wir entschlossen uns, nochmals für die Badewanne.


Das Wasser lief um 18:00 Uhr. Es waren wohl erst 6 min vergangen, ich hatte aber mein Zeitgefühl bereits mit dem Anruf bei der Hebamme abgegeben und so hatte ich da weder Gedanken noch Gefühl für. Ich war eben nur bei mir, den Wehen und meinem Baby.


Ich wollte erneut zur Toilette. Und wieder und wieder und wieder. Als ich um 18:10 Uhr dann endlich in die Wanne wollte, platze die Fruchtblase und ich hab es mit der Hilfe von Mann und der Hebamme so eben noch auf eine Matte auf den Boden geschafft.

Mein Mann stützte mich, hielt mich und ermöglichte so, dass ich weitesgehend loslassen konnte, um den Presswehen nachgeben zu können, welche unmittelbar nach dem Blasensprung einsetzten.


Es war als hätte mein Körper einen Schalter umgelegt und würde mir nur ganz klar sagen, was ich zu tun hätte. Unsere wunderbare Hebamme war wieder "da" und unsichtbar zu gleich, ermutigte mich wenn ich es brauchte, stand uns bei und begleitete uns unheimlich einfühlsam und respektvoll durch unsere kurze und kraftvolle Geburt.

(Nebenbei verständigte sie noch die zweite Hebamme, welche es aber grade so zur Geburt schaffte)

Während jeder Wehenpause tankte ich schnell die nötige Kraft für die nächste Presswehe und tat genau das, was sich richtig anfühlte. Ich konnte weiterhin komplett bei mir und meinem Körper bleiben.


So wurde nach wenigen Minuten, dafür intesiven Presswehen unsere Tochter unendlich liebevoll und sanft in meine Arme geboren #rakete. Ich konnte sie eigenständig entgegen nehmen, legte sie auf meine Brust und mich gleichzeitig komplett in die Arme meines Mannes ab.


Ich war bestimmt 5 cm größer und hab mich gefühlt als wäre ich die stärkste und gesegnetste Frau dieser Welt.

Ich mein HALLO??

Wir waren das beste Team-

....für unsere beste Geburt...für unsere unglaubliche Tochter & ihren Start auf dieser Welt.

Wir waren das beste Team, für unseren Start als Eltern, von nun zwei wunderbaren Kindern und wir waren das beste Team für unsere Beziehung.

Wir haben unser Band nochmal verdoppelt und dreifacht. vertausendfacht.


Schmusen, Untersuchungen und Haarwäsche....dann ab nachhause!

Wir bekamen Zeit für uns und ein kräftigendes Abendbrot. Nach Schmusen und Stillen, folgten kurze Untersuchungen und eine Haarwäsche für die kleine (Flauschmaus).

Alles Tutti!!!


So schön und gemütlich es im Geburtshaus auch war, ich wollte dann nachhause.

Will ich immer.

Nachdem sich also alles wunderbar zeigte und wir unser Abendbrot brav verspeist hatten (es gab sogar Schoko-Kekse - mein absolutes Highlight nach 8 Wochen Louwen-Diät), durften wir dann auch schließlich um 22 Uhr nachhause um voller Glück in unser aufregendes neues Leben zu starten. #teambaldo




















Ich muss und möchte noch sagen...

Ich hatte wirklich die beste Hebamme, den besten Mann, Vater, Geburtspartner und Freund an meiner Seite und natürlich das beste Baby in meinem Bauch. Ich hatte eine unglaublich gute Geburtsvorbereitung, mein Vertrauen und meine Stärke. Ich habe viel investiert und um so mehr zurückbekommen.


Ich hatte wirklich meine persönliche beste Geburt der Welt. <3


Ich wünsche jeder Frau die Möglichkeit eine selbstbestimmte Geburt erleben zu können. Eine Geburt ohne Gewalt. Eine Geburt voller Respekt und Liebe.

Ich sage das, weil ich weiß, dass dies leider nicht so selbstverständlich ist.


In dieser Schwangerschaft und auch während dieser Geburt habe ich gemerkt wie wertvoll eine gute Hebamme ist und wie unfair es ist, dass nicht jede Frau die Möglichkeit hat, eine Hebamme an ihrer Seite haben zu können.

Ich habe auch gelernt wie wichtig eine gute Aufklärung, Vorbeitung und Co. durch Ärzte Hebammen und diverse Kurse sind.

Und auch dies steht nicht jeder Frau zur Verfügung.

Das erschüttert mich weiterhin regelmäßig und lässt mich trotzdem auch nochmal besonders dankbar sein, dass ich dieses große Glück hatte.


<3









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